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KSA

Neuer Kreditrisikostandardansatz (KSA)

Einfach + Risikosensitiv = RWA-Anstieg?

neuerkreditrisikostandardansatz(ksa)

Im Rahmen der umfassenden Anpassung des Baseler Rahmenwerkes an die Lehren aus der Finanzmarktkrise ist unter anderem die Überarbeitung des Kreditrisiko-Standardansatzes durch den Baseler Ausschuss angestoßen worden. Insbesondere die große Abhängigkeit von externen Ratings in vielen Risikopositionsklassen sollte im Rahmen der Überarbeitung reduziert werden. Hierzu veröffentlichte der Baseler Ausschuss im Dezember 2014 ein erstes Konsultationspapier (BCBS 307). Mit den Erkenntnissen der darauffolgenden Konsultationsphase hat das Komitee schließlich im Dezember 2015 ein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitung des Kreditrisiko-Standardansatzes veröffentlicht (BCBS 347). Die Vorschläge standen bis März 2016 zur Konsultation. Parallel sollte eine umfassende quantitative Auswirkungsstudie durchgeführt werden. Am grundsätzlichen Ziel, den Standardansatz zu überarbeiten, ändert sich jedoch nichts.

Vom ersten Konsultationspapier bis zur Umsetzung

Über alle Neuerungen im Zusammenhang mit dem neuen Kreditrisiko-Standardansatz informieren wir Sie stets aktuell auch in unserem Regulatory Blog und unserem YouTube-Channel.

Fachliche Themen

Risikogewichte für Risikopositionen gegenüber Instituten nach Basel IV (KSA)

Im Fokus der Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes durch das Baseler Komitee stehen unter anderem Risikopositionen gegenüber Instituten. Ziel der Überarbeitung ist die Reduktion der Abhängigkeit von externen Ratings, die zu einer intensiveren und detaillierteren Beurteilung von Kontrahenten durch Institute führen soll. Nachdem im ersten Konsultationspapier noch eine vollständige Abschaffung externer Ratings als Faktor für die Ermittlung der Eigenkapitalunterlegung vorgesehen war, ist das Baseler Komitee jedoch im zweiten Konsultationspapier den Anmerkungen aus der ersten Konsultationsphase zumindest teilweise gefolgt. Zu Kritik hatte vor allem die Berücksichtigung der non-performing assets ratio (NPA) geführt, deren Vergleichbarkeit durch rechnungslegungsbedingte Unterschiede zwischen Instituten nicht dem Anspruch eines Level Playing Fields genügt. Stattdessen schlägt das BCBS nun einen Beurteilungsansatz auf Basis externer Ratings (ECRA) und einen standardisierten Ansatz für Positionen ohne Rating (SCRA) vor.

Auswirkungen der neuen Risikogewichte für Risikopositionen gegenüber Instituten nach Basel IV (KSA)

Die Erlaubnis zur Nutzung des ECRA wird den jeweiligen (nationalen) Gesetzgebern offen gelassen. Der ECRA weist im ersten Schritt keine nennenswerten Veränderungen zum bisherigen Standardansatz auf. Jedoch sollen neue Due Diligence Anforderungen eingeführt werden, die bislang ausschließlich in Säule II Berücksichtigung fanden. Demnach haben Institute, die den ECRA nutzen in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob interne Due Diligence Prozesse zu einem höheren als dem aus dem Rating abgeleiteten Risikogewicht führen. Das Komitee lässt dabei offen, welche Kriterien im Rahmen solcher Due Diligence Prozesse zu beleuchten sind. Zu erwarten ist jedoch, dass die Beurteilung im Einklang mit den Prozessen der Säule II stehen und somit zumindest die jährliche Bonitätsbeurteilung beinhalten sollte. Institute müssen daher tragfähige Konzepte entwickeln, um aus den Bonitätsbeurteilungen (und gegebenenfalls weiteren Prüfungen) einheitliche Kriterien für die Ableitung eines Risikogewichtes aufzustellen. Im Ergebnis wird somit im Rahmen des Kreditrisikostandardansatzes faktisch eine Berücksichtigung interner Ratingverfahren erfolgen. In jedem Fall kann das Ergebnis aus dem Due Diligence Prozess ausschließlich zu einem gleichbleibenden oder höheren Risiko führen. Eine Absenkung des Risikogewichtes ist hingehen in keinem Fall möglich.

Bei Nutzung des SCRA werden die Schuldner in drei Kategorien eingeteilt, die sich im Wesentlichen aus der (Über-) Erfüllung der regulatorischen Anforderungen durch den Kontrahenten, sowie dessen Abhängigkeit von Konjunkturzyklen ermitteln. Konkret werden die folgenden drei Grades vorgeschlagen:

  • Grade A: Institute, die jederzeit und konjunkturunabhängig in der Lage sind, ihre finanziellen Verpflichtungen termingerecht zu erfüllen. Institute dieses Grades übertreffen die regulatorischen Mindestanforderungen und Kapitalpuffer.
  • Grade B: Institutes dieses Grades erfüllen alle regulatorischen Mindestanforderungen. Auszulegen ist, ob hierin auch die zusätzlichen Kapitalpufferanforderungen fallen. Es erscheint jedoch nachvollziehbar, dass die Unterschreitung einzelner Kapitalpufferanforderungen nicht automatisch eine Einstufung in Grade B verhindert.
  • Grade C: Grade C ist mithin ein Auffangbecken für Institute, die nicht den Grades A oder B zugeordnet werden können. In dieses Grade sollten nach Auffassung des Komitees zwingend Institute fallen, die mindestens eine der regulatorischen Mindestanforderungen nicht erfüllen, oder denen seitens des Wirtschaftsprüfers nur ein eingeschränkter Vermerk über den Jahresabschluss erteilt wird bzw. wesentliche Zweifel an einer erfolgreichen Weiterführung der Geschäftstätigkeit („going concern“) attestiert werden.

Während die Erfüllung der regulatorischen Anforderungen zunächst objektiv erscheint, bietet die Beurteilung der Abhängigkeit von Konjunkturzyklen auf der einen Seite Spielräume für eine individuelle Beurteilung durch die Institute, auf der anderen Seite jedoch auch neue Unsicherheiten in Ermangelung klarer Kriterien. Denkbar ist beispielsweise, dass Instituten, die wesentlich von Spezialfinanzierungen wie Flottenfinanzierungen abhängen, eine höhere Abhängigkeit von der Konjunktur unterstellt werden muss als breit diversifizierte Universalbanken.

Abbildung 1 zeigt die anwendbaren Risikogewichte im ECRA und SCRA. Abbildung 2 zeigt die antizipierten Auswirkungen des neuen Kreditrisikostandardansatzes, insbesondere unter Berücksichtigung der Unterschiede der zwei Konsultationspapiere.

Wir unterstützen Sie bei

  • der Definition und Implementierung von tragfähigen Modellen zur Erfüllung der Due-Diligence Anforderungen, sowie beim
  • dem Mapping von Kontrahenten zu den Risikogewichten im Standardized Credit Risk Assessment Approach

Übersicht über die Behandlung von Risikopositionen gegenüber Unternehmen nach Basel IV (KSA)

Auch bei der regulatorischen Behandlung von Forderungen gegenüber Unternehmen soll die Abhängigkeit von und damit die häufig mechanische Kreditentscheidung auf Basis externer Ratings reduziert werden. Hierzu hat das Baseler Komitee im ersten Konsultationspapier ebenfalls eine vollständige Abschaffung externer Ratings als Inputfaktor für die Eigenmittelunterlegung vorgeschlagen. Die Empfehlung, das Maß der Fremdfinanzierung und den Umsatz des betreffenden Unternehmens als Bestimmungsgrößen zu verwenden, wurde jedoch in der ersten Konsultationsphase abgelehnt. Neben einer zu starken Vereinfachung wurde auch die fehlende Differenzierung zwischen verschiedenen Branchen und Rechnungslegungsstandards als Argument gegen den vorgeschlagenen Ansatz angeführt. In der Folge hat das Baseler Komitee im zweiten Konsultationspapier auch für die Risikopositionsklasse Unternehmen die Verwendung externer Ratings im Ermessen des nationalen Gesetzgebers wieder zugelassen, wobei die Ableitung der Risikogewichte keine wesentlichen Veränderungen aufweist. Jedoch unterliegen auch Risikopositionen gegenüber Unternehmen den bereits bei Instituten eingeführten Due Diligence Anforderungen.

Risikogewichte für Risikopositionen gegenüber Unternehmen nach Basel IV (KSA)

Demnach haben Institute zu prüfen, ob interne Due Diligence Prozesse zu einem höheren als dem aus dem Rating abgeleiteten Risikogewicht führen. Das Komitee lässt dabei offen, welche Kriterien im Rahmen solcher Due Diligence Prozesse zu beleuchten sind. Zu erwarten ist jedoch, dass die Beurteilung im Einklang mit den Prozessen der Säule II stehen und somit zumindest die jährliche Bonitätsbeurteilung beinhalten sollte. Institute müssen daher tragfähige Konzepte entwickeln, um aus den Bonitätsbeurteilungen (und gegebenenfalls weiteren Prüfungen) einheitliche Kriterien für die Ableitung eines Risikogewichtes aufzustellen. Im Ergebnis wird somit im Rahmen des Kreditrisikostandardansatzes faktisch eine Berücksichtigung interner Ratingverfahren erfolgen. Eine Absenkung des Risikogewichtes aus den Ergebnissen der internen Ratings ist dabei jedoch nicht möglich.

Abbildung 1 und 2 zeigt die anwendbaren Risikogewichte für Risikopositionen gegenüber Unternehmen im KSA nach Basel IV, auch im Vergleich zum derzeit geltenden Rahmenwerk.

Behandlung von Spezialfinanzierungen nach Basel IV (KSA)

Neu eingeführt werden sollen darüber hinaus besondere Vorgaben für Spezialfinanzierungen. Nach Aussage des Komitees zeigen Beobachtungen, dass solche Spezialfinanzierungen ein besonderes Risikoprofil aufweisen und daher gesondert behandelt werden sollten. Entgegen des ersten Konsultationspapiers fallen hierunter keine Immobilienbezogenen Geschäfte (beispielsweise Bauträgerfinanzierungen), welche nun vollständig innerhalb der Risikopositionsklasse „Real Estate Exposure Class“ abgebildet werden. Insofern fallen gemäß dem aktuellen Konsultationspapier folgende Geschäfte unter die Definition von Specialised Lending:

  • Sie sind nicht verbundenen mit Immobilien
  • Typischerweise werden sie mit Special Purpose Vehicles (SPVs) abgeschlossen, die ausschließlich zu diesem Zweck gegründet wurden
  • Das SPV besitzt neben den finanzierten Objekten oder Gütern über keine nennenswerten, sonstigen Vermögenswerte
  • Es werden Sicherungsvereinbarungen geschlossen, die dem Institut einen Rückgriff auf die finanzierten Objekte oder Güter erlaubt
  • Die Rückzahlung der Positionen erfolgt maßgeblich durch die Einkünfte aus den finanzierten Objekten oder Gütern

Somit ist anzunehmen, dass Finanzierungen an Gesellschaften, die im Zusammenhang mit besonderen Objekten stehen, im Zweifel aber unabhängig von dem Erfolg des spezifischen Projektes durch die allgemeine Ertragslage des Unternehmens zurückgezahlt werden können, nicht in diese Kategorie fallen. Die Abgrenzung zwischen Projekt-, Objekt- und Rohstofffinanzierungen ist wie folgt vorzunehmen:

  • Projektfinanzierungen dienen ausschließlich der Finanzierung eines abzugrenzenden Projektes, deren Rückzahlung aus den laufenden Erträgen erfolgt. Typische Beispiele können die Errichtung von Energieparks oder die Umsetzung von Infrastrukturprojekten sein
  • Unter Objektfinanzierung wird die Finanzierung von Investitionsgütern verstanden, deren Rückzahlung ebenfalls aus den Erträgen oder Verkaufserlösen des betreffenden Objektes erfolgt. Hierunter fallen typischerweise Finanzierungen von Schiffen, Flugzeugen, Schienenfahrzeugen oder sonstigen Flotten.
  • Den Rohstofffinanzierungen sind Risikopositionen zuzuordnen, die der kurzfristigen Finanzierung von Umlaufvermögen dienen. Auch hier ist charakteristisch, dass die Rückzahlung durch die Erlöse aus der Verarbeitung oder Weiterveräußerung der Betriebsmittel erfolgt. Beispiele können Finanzierungen größerer Öl- oder Edelmetallbestände sein.

Auch für Spezialfinanzierungen soll die Anwendung externer Ratings (nach nationalem Ermessen) zugelassen werden. Entgegen den allgemeinen Vorgaben zur Verwendung von Ratings können hier jedoch aufgrund des spezifischen Risikoprofils dieser Positionen ausschließlich Emissionsratings verwendet werden. Aufgrund der Annahme, dass die besonderen Risiken des Projektes bereits im emissionsspezifischen Rating berücksichtigt sein sollten, sind die jeweiligen Risikogewichte der allgemeinen Tabelle für Risikopositionen gegenüber Unternehmen zu entnehmen. Sofern kein anwendbares Rating vorliegt, oder die Verwendung externer Ratings durch den jeweiligen nationalen oder supranationalen Gesetzgeber nicht erlaubt wird, werden Objekt- und Rohstofffinanzierungen mit einem Risikogewicht von 120% belegt. Bei Projektfinanzierungen wird unterschieden zwischen der pre-operativen und der operativen Phase. Die operative Phase ist durch die folgenden Merkmale gekennzeichnet:

  • Die Cash-Flows aus dem Projekt decken alle verbleibenden, vertraglichen Verpflichtungen aus dem Projekt
  • Es hat eine Tilgung der langfristigen Verbindlichkeiten eingesetzt

Die Abgrenzung der vorgenannten Kriterien erfordert daher künftig eine besondere Beurteilung hinsichtlich des Projektstatus‘. Dafür können Risikopositionen in der operativen Phase mit einem Risikogewicht von 100% belegt werden, während in der Bau- und Planungsphase ein Risikogewicht von 150% zur Anwendung kommt. Abbildung 3 gibt einen Überblick über die anwendbaren Risikogewichte für Spezialfinanzierungen nach dem BCBS 347.

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  • der Abgrenzung der neuen Kategorie der Unternehmen mit „Investment Grade“
  • der Abgrenzung von Forderungen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
  • der Abgrenzung der neuen Forderungsklasse Spezialfinanzierungen
  • der Entwicklung und Implementierung von tragfähigen Modellen zur Erfüllung der Due-Diligence Anforderungen

Risikogewichte für Eigenkapitalinstrumente und Auswirkungen nach Basel IV (KSA)

Im bisherigen Kreditrisikostandardansatz, der weitgehend unverändert auf dem Basel II Rahmenwerk (BCBS 128) aufbaut, wurden Eigenkapitalinstrumente mit einem Risikogewicht von 100% belegt. Ausnahmen hiervon sollten lediglich Private-Equity oder Venture Capital Beteiligungen bilden, denen ein höheres Ausfallrisiko unterstellt wurde. Nachrangige Verbindlichkeiten jedoch, die nicht zwingend Eigenkapitalcharakter aufweisen, unterlagen keinen besonderen Bedingungen. Um eine stärkere Harmonisierung zwischen dem Standardansatz und dem auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRB) und eine risikosensitive Behandlung im Rahmen des Kreditrisikostandardansatzes zu gewährleisten, wurden im Rahmen von Basel IV daher neue Regelungen zur Behandlung von Eigenkapitalinstrumenten entworfen. Die neuen Regelungen sollten auch dem unterschiedlichen Risikoprofil notierter und nicht-notierter Kapitalbestandteile Rechnung tragen. Der Vorschlag im ersten Konsultationspapier sah hierfür ein Risikogewicht von 300% für börsennotierte, und 400% für nicht-börsennotierte Eigenkapitalinstrumente vor. Nachrangige Verbindlichkeiten sollten mit einem Risikogewicht von 250% belegt werden. Im Rahmen der Konsultationsphase wurden jedoch verschiedene Bedenken an den Vorschlägen des Komitees geäußert. Zum einen wurden die Risikogewichte innerhalb des Kreditrisikostandardansatzes als zu konservativ beurteilt. Zum anderen wurde auf Anrechnungserleichterungen im IRB verwiesen, die der KSA nicht vorsieht, wodurch die beabsichtigte Annäherung beider Modelle verfehlt würde. Zwischenzeitliche Ansätze, die die Bonität des Schuldners als eine Einflussgröße auf das Risikogewicht zuließen, wurden aufgrund der angestrebten Verringerung der Abhängigkeit von externen Ratings verworfen.

Das zweite Konsultationspapier weist daher im Vergleich zum ersten Vorschlag geringere Risikogewichte vor. Die ursprünglich geplante Unterscheidung zwischen börsennotierten und nicht-börsennotierten Beteiligungen wurde ebenfalls verworfen. Zum einen kann argumentiert werden, dass die Börsennotiz nicht zwingend ein geringeres Ausfallrisiko bedeutet. Zum anderen soll eine konsistente Behandlung zwischen Beteiligungen außerhalb und innerhalb des Finanzsektors gewährleistet werden. Letztere erhalten, sofern kein Abzug von den Eigenmitteln erfolgt, ein Risikogewicht 250%. Folglich wird auch für Beteiligungen außerhalb des Finanzsektors ein Risikogewicht von 250% vorgesehen. Nachrangige Verbindlichkeiten sollen gemäß dem aktuellen Vorschlag mit 150% gewichtet werden.

Abbildung 1 zeigt die Auswirkungen auf die verschiedenen Eigenkapitalinstrumente im Zeitverlauf. Hierbei ist für alle Konstellationen künftig ein Anstieg der Risikogewichteten Aktiva zu erwarten.

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  • der Abgrenzung und Identifikation betroffener Positionen
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Für Retail-Kredite im Baseler Rahmenwerk sieht das aktuelle Konsultationspapier keine wesentlichen Veränderungen vor. Die Vorschläge beinhalten wie in Basel II ein privilegiertes Risikogewicht von 75% für alle Forderungen, die den folgenden Kriterien entsprechen:

  • Es handelt sich um Risikopositionen gegenüber Privatpersonen oder kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Unter letzteres fallen im Baseler Rahmenwerk Unternehmen mit Umsatzerlösen von weniger als 50 Mio. EUR. Risikopositionen, die durch Immobilien besichert sind, werden nach den Vorgaben der Immobilienkredite behandelt und daher hiervon ausgenommen.
  • Das aktuelle Konsultationspapier bestätigt das im Basel II Rahmenwerk vorgeschlagene Granularitätskriterium, wonach eine Risikopositionen der Klasse Retail-Kredite je Kreditnehmer(einheit) maximal 0,2% des gesamten Retail-Portfolios ausmachen darf.
  • Neben dem Granularitätskriterium sind Risikopositionen der Klasse Retail-Kredite auf maximal 1 Mio. EUR je Kreditnehmer(einheit) begrenzt.

Hier zeigen sich keine nennenswerten Unterschiede im Vergleich zur aktuellen Behandlung der CRR. Allerdings erfahren Risikopositionen gegenüber KMU, deren Jahresumsatz unter 50 Mio. EUR fällt, eine besondere Privilegierung nach Art. 501 CRR, wonach die risikogewichteten Aktiva zusätzlich mit einem Faktor von 0,7619 multipliziert werden. Diese Erleichterung gilt auch für Risikopositionen von KMU, die nicht alle Anforderungen an Risikopositionen der Risikopositionsklasse Retail-Kredite erfüllen und daher nach den Vorgaben für generelle Unternehmensforderungen behandelt werden. Jedoch unterliegt auch diese Anrechnungserleichterung einer absoluten Obergrenze aller Risikopositionen gegenüber dem KMU von 1,5 Mio. EUR.

Gemäß dem im November durch die Europäische Kommission veröffentlichten Entwurf zur Überarbeitung der CRR (CRR II) wird am Konzept des KMU-Faktors, der gegenüber dem Baseler Rahmenwerk eine weitergehende Privilegierung ermöglicht, festgehalten. Jedoch soll die absolute Obergrenze von 1,5 Mio. EUR je Gruppe verbundener Kunden teilweise aufgeweicht werden. Zum einen werden Risikopositionen von mehr als 1,5 Mio. EUR nicht mehr grundsätzlich von der Erleichterung ausgenommen, zum anderen werden die Beträge, die die bisherige Grenze von 1,5 Mio. EUR übersteigen, ebenfalls mit einer Anrechnungserleichterung von 15% berücksichtigt:

if E^’≤EUR 1 500 000,RW(*)=RW*0,7612;
if E^’>1 500 000,RW(*)=min{RW;EUR 1 500 000)*0,7612+max⁡{0;RW-1 500 000}*0,85

wobei
E´ = Summe aller Risikopositionen des betreffenden Kunden gegenüber dem Institut, bzw. seines Mutter- oder seiner Tochterunternehmen, ohne Berücksichtigung von durch Immobilien besicherte Risikopositionen
RW = Risikogewichtete Aktiva vor Anwendung des KMU-Faktors
RW(*) = Um den KMU-Faktor korrigierte risikogewichtete Aktiva

Auf der einen Seite wird deutlich, dass insbesondere diejenigen Risikopositionen von der Neuregelung profitieren, die nur knapp oberhalb der bisherigen Obergrenze von 1,5 Mio. EUR liegen und ein Risikogewicht von bis zu 100% aufweisen. In diesem Fall werden bisherige Klippeneffekte deutlich verringert, da Forderungen gegenüber KMU über 1,5 Mio. EUR bislang nicht privilegierungsfähig waren, während künftig immer eine Privilegierung ermöglicht werden soll. Das folgende Beispiel verdeutlicht die möglichen Kapitalentlastungen für Institute:

Vergleich KMU-Faktor nach CRR I und CRR II (KSA)

Auf der anderen Seite erfolgt eine Ungleichbehandlung von Forderungen mit einem Risikogewicht von mehr als 100%, sobald die Forderung 1,5 Mio. EUR übersteigt. Dies kann zu einem deutlichen Anstieg der RWA führen, da bei Forderungen von weniger als 1,5 Mio. EUR die risikogewichteten Aktiva vollständig mit dem Faktor von 0,7612 korrigiert werden dürfen, während bei Forderungen von mehr als 1,5 Mio. EUR nur der Nominalbetrag von 1,5 Mio. EUR mit dem höheren Abschlag verrechnet werden darf.

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Darstellung der Risikogewichte nach aktuelle Gesetzgebung zur Behandlung von Immobilienkrediten in Deutschland

Eine wesentliche Forderungsklasse im Rahmen der Ermittlung der risikogewichteten Aktiva stellen Risikopositionen dar, die durch Immobilien besichert werden.
Kredite die durch Immobilien besichert werden, lassen sich entsprechend des Typs der Immobiliensicherheit kategorisieren. Grundsätzlich ist zwischen Wohn- und Gewerbeimmobilien zu unterscheiden. Die beiden Gruppen werden weitergehend in Einkommen produzierende und vom Einkommen unabhängige Immobilien untergliedert. Darüber hinaus werden Finanzierungen des Grundstückserwerbs, der Entwicklung und des Baus gesondert behandelt.
Vorangestellt soll das Loan-to-Value („LTV“)-Verhältnis erläutert werden, welches grundlegend für die Ermittlung der Risikogewichte ist. Das LTV-Verhältnis stellt die Beleihungsquote der Sicherheit dar, welches, vereinfacht gesprochen, das Darlehen dem Sicherheitenwert gegenüberstellt. Je geringer sich das LTV-Verhältnis darstellt, desto geringer ist das Risiko eines Verlusts in Folge eines Ausfalls. Diese Abstufungssystematik stellt eine Neuerung gegenüber dem derzeitigen Verfahren dar, bei dem ein Darlehen in einen besicherten (bis zu 80 % des Markt- bzw. Beleihungswerts) und einen nicht besicherten Teil aufgeteilt wird. Der besicherte Teil des Darlehens erhält hierbei ein geringeres Risikogewicht, während der nicht besicherte Teil das Risikogewicht des Kontrahenten erhält.

Darstellung der Risikogewichte für durch Wohnimmobilien besicherte Risikopositionen in Abhängigkeit vom LTV

Die Ermittlung von Risikogewichten für Kredite die durch Wohnimmobilien besichert werden, richtet sich im Wesentlichen an der Erfüllung operativer Anforderungen aus. Diese gelten als gegeben, soweit die folgenden sechs Tatbestände vorliegen:

  • Weitestgehende Fertigstellung des Objekts
  • Rechtliche Durchsetzbarkeit der Sicherheit
  • Erstrangige Grundschuld / Pfandrechte am Objekt
  • Kapitaldienstfähigkeit des Schuldners
  • Angemessene Wertermittlung des Objekts
  • Vollständige Dokumentationsführung

Im Falle der Erfüllung aller operativen Anforderungen und unter der Voraussetzung, dass die Rückzahlung des Kredits nicht in einer unmittelbaren Abhängigkeit von den durch die Immobilie generierten Cash Flows steht, ist das Risiko der Forderung entsprechend des LTV-Verhältnisses zu gewichten. Dabei werden Risikogewichte zwischen 25 % und 55 % vergeben. Liegt das LTV-Verhältnis jedoch über 100 %, so wird das Risikogewicht der Gegenpartei angesetzt.
Sind die operativen Anforderungen hingegen nicht erfüllt, wird ein pauschales Risikogewicht von 100 % beigemessen.

Ein direkter Vergleich der aus den alten und neuen Regelungen resultierenden RWA-Anforderungen zeigt deutlich auf, dass sich die Kapitalanforderungen ändern werden. Ferner lässt sich konstatieren, dass die Auswirkungen auf die Institute in Abhängigkeit vom LTV-Verhältnis sowohl positiver als auch negativer Natur sein können. Abbildung 5 veranschaulicht das prozentuale RWA-Delta, also die relative Veränderung der Kapitalanforderungen nach altem und neuem Berechnungsverfahren. Auffällig ist, dass die Kapitalanforderungen bei einem geringen LTV-Verhältnis (<= 60 %) sinken. Für ein LTV-Verhältnis von 70 % bzw. 80 % ergeben sich keine Auswirkungen auf die RWA-Situation, wohingegen die Kapitalanforderungen für eine stärker ausgeprägte Beleihungsquote (> 80 %) sprunghaft ansteigen.

Handelt es sich bei den Forderungen um Einkommen produzierende Immobilieninvestitionen, sodass die Rückzahlung des Kredits in direktem Zusammenhang mit dem Cashflow der Immobilie steht, sind höhere Risikogewichte zu verwenden. Gelten alle operativen Anforderungen als befriedigt, so ist entsprechend des LTV-Verhältnisses ein Risikogewicht zwischen 70 % und 120 % anzusetzen. Trifft die letztere Bedingung nicht zu, wird ein pauschales Risikogewicht von 150 % festgelegt.

Darstellung der Risikogewichte für durch Wohnimmobilien besicherte Risikopositionen (KSA)

Hinsichtlich der Ermittlung von Risikogewichten für Kredite die durch Gewerbeimmobilien besichert werden, ist analog zu den Wohnimmobilien die Erfüllung der oben benannten operativen Anforderungen maßgebend. Liegen diese vor, wird das Risikogewicht in Abhängigkeit vom LTV-Verhältnis bestimmt. Bei einem LTV-Verhältnis von bis zu 60 %, wird das Risikogewicht auf 60 % fixiert. Liegt das Risikogewicht der Gegenpartei allerdings unter diesem Wert, so kann es als Risikogewicht der betrachteten Forderung genutzt werden. Übersteigt das LTV-Verhältnis 60 %, ist zwingend das Risikogewicht der Gegenpartei zu verwenden.

Bisher wurde nur der unbesicherte Teil des Darlehens, der 60 % des Beleihungswerts überstieg, mit dem Risikogewicht des Schuldners belegt. Die neuen Regelungen sehen allerdings vor, dass sobald ein LTV-Schwellenwert von 60 % erreicht wird, die gesamte Forderung mit dem Risikogewicht der Gegenpartei gewichtet wird. Somit steigen die Kapitalanforderungen für das gesamte Darlehen deutlich.
In Abgrenzung zu der oben beschriebenen allgemeinen Ermittlung des Risikogewichts für durch Gewerbeimmobilien besicherte Risikopositionen, steht die Ermittlung des Risikogewichts für Einkommen produzierende Gewerbeimmobilien. Hierbei wird ein LTV-basiertes Risikogewicht von 80 % bis 130 % angesetzt, soweit alle operativen Anforderungen gegeben sind. Ist dem nicht so, wird ein pauschales Risikogewicht von 150 % angesetzt.

Vergleich der alten und neuen RWA-Berechnungsverfahren für Risikopositionen die durch Gewerbeimmobilien besichert sind

Finanzierungen des Grundstückerwerbs, der Entwicklung und des Baus sind grundsätzlich pauschal mit 150 % zu gewichten. Die strikteren Anforderungen an die genannten Positionen ergeben sich aus dem Erfüllungsrisiko, das neben dem herkömmlichen Kreditrisiko die Risikobehaftung der Positionen maßgeblich bestimmt.
Zu unterscheiden sind derartige Finanzierungstransaktionen von Spezialfinanzierungen, die in die Risikopositionsklasse Unternehmen eingeordnet werden. Hinsichtlich der Zuordnung sind in Bezug auf den konkreten Einzelfall weitere Analysen durchzuführen, da sich die Abgrenzung zum Teil schwierig gestalten kann. Werden beispielsweise Grundstücke erworben, auf der später eine fest im Boden verankerte, finanzierte Photovoltaikanlage installiert werden soll, wird im Einzelfall zu entscheiden sein, wie eine saubere Trennung zwischen Projekt- und Immobilienfinanzierungen erfolgen kann.

Darstellung der Risikogewichte für durch Gewerbeimmobilien besicherte Risikopositionen (KSA)

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  • der Abgrenzung der neuen Forderungsklasse Spezialfinanzierungen
  • der Ermittlung von Loan to Value Werten unter Berücksichtigung von engen oder weiten Zweckerklärungen

Fachliche Themen

Aus Sicht des Baseler Komitees sind Kredite, bei denen die Darlehenswährung von der Währung der Haupteinkünfte des Schuldners abweicht, mit höheren Risiken behaftet. Entwicklungen, die die Einschätzung des Baseler Komitees stützen, ließen sich beispielsweise im Rahmen der Aufhebung der Fixierung des Schweizer Franken vom Euro beobachten. Eine (schlagartige) Stärkung des Schweizer Franken führte schnell zu Zahlungsschwierigkeiten bei Schuldnern, deren Haupteinkünfte in Euro erzielt wurden, während die Finanzierungen aufgrund des häufig in der Schweiz günstigeren Refinanzierungssatzes in Schweizer Franken abgeschlossen wurden. Den vorgenannten Risiken eines sogenannten „Currency Mismatch“ sollen Institute künftig durch zusätzliche Aufschläge auf derartige Risikopositionen Rechnung tragen.

Dabei wurde im Rahmen des ersten Konsultationspapiers die Einführung eines Aufschlags von 50% auf das Risikogewicht in den Risikopositionsklassen Retail-Kredite und Immobilienkredite beschränkt. Dem zugrunde lag die Annahme, dass größere Unternehmen derartige Währungsrisiken in der Regel absichern, während kleinere Unternehmen und Privatpersonen häufig nicht über entsprechende Absicherungsmechanismen verfügen. Dafür sah der Vorschlag nicht vor, Absicherungen im Einzelfall risikomindernd zu würdigen.

Die Ergebnisse der ersten Konsultationsphase zeigten eine Zustimmung des Marktes zu dem generellen Konzept entsprechender Aufschläge, jedoch wurde die Risikosensitivität teilweise in Frage gestellt. Das zweite Konsultationspapier sieht daher eine Ausweitung der Fremdwährungsaufschläge auf die Risikopositionsklasse Unternehmen vor, erlaubt jedoch einen Verzicht auf den Zuschlag, sofern auf Ebene des Kreditnehmers eine natürliche oder finanzielle Absicherung nachgewiesen werden kann. Erstere kann unterstellt werden, wenn die für den Schuldendienst notwendigen Cash-Flows beispielsweise durch hierfür vorgesehene Erlöse in der entsprechenden Währung geleistet werden. Denkbar wäre somit eine Exportfinanzierung in USD, die durch die zu erzielenden Umsatzerlöse in USD zurückgezahlt wird. Für eine finanzielle Absicherung werden in der Regel Derivate wie Devisenswaps oder –termingeschäfte in Frage kommen.

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  • der Analyse der Hauptwährung von Kunden im Mengengeschäft zur Bestimmung des Zuschlags für Fremdwährungsrisiken

Aus den neuen Baseler Rahmenanforderungen ergeben sich im Vergleich zur derzeitigen Gesetzeslage deutlich höhere Kreditkonversationsfaktoren. Kreditkonversationsfaktoren dienen der Ermittlung der Risikopositionswerte von außerbilanziellen Geschäften, die in die Berechnung der Gesamtrisikoposition einfließen. Hierzu wird das Volumen der jeweiligen außerbilanziellen Bestände mit dem Kreditkonversationsfaktor multipliziert.
In Bezug auf die Definition außerbilanziellen Geschäfts wird grundsätzlich zwischen widerruflichen und unwiderruflichen Kreditzusagen unterschieden. Da die fehlende Möglichkeit eines Widerrufs für die Bank grundsätzlich ein höheres Risiko darstellt, wird entsprechend ein höherer Faktor angesetzt. Abbildung 7 stellt die neuen Kreditkonversationsfaktoren übersichtlich dar.

Die derzeit mit einer Nullgewichtung privilegierten Kreditzusagen des Mengengeschäfts werden mit einem Konversationsfaktor in Höhe von 10 % bis 20 % belegt. Hierbei handelt es sich im Speziellen um nicht in Anspruch genommene, jederzeit uneingeschränkt und fristlos widerrufbare Kontokorrentlinien. Handelt es sich bei den Kreditzusagen um unwiderrufliche oder beschränkt widerrufliche Verträge, erhöhen sich die Umrechnungsfaktoren deutlich gegenüber den derzeitigen Regelungen und entsprechende außerbilanzielle Positionen erhalten einen Kreditkonversationsfaktor von 50 % bis 75 %. Kurzfristig, selbst-liquidierende Handelsakkreditive sind zu 20 %, Eventualverbindlichkeiten die mit einer Transaktion verbunden sind mit 50% zu berücksichtigen.. Darüber hinaus werden Kreditsubstitute und Garantien voll angerechnet.

Übersicht über die neuen Kreditkonversionsfaktoren

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  • der Analyse der Auswirkungen der neuen Kreditkonversionsfaktoren (CCF) sowie der Positionen, die als außerbilanzielles Geschäft zu berücksichtigen sind

Als Grund für eine grundlegende Überarbeitung der derzeitigen Kreditrisikominderungstechniken nennt der Baseler Ausschuss insbesondere die hohe Komplexität der verwendeten Modelle. Obwohl die Standardansätze grundsätzlich auf eigene Parameterschätzungen verzichten, ermächtigt die Gesetzgebung die Institute in Bezug auf die Ermittlung von Kreditrisikominderungsbeträgen in einem vordefinierten Rahmen zur Anwendung interner Berechnungsmodelle.
Diesem Sachverhalt wurde bereits durch das erste Baseler Konsultationspapier zur Überarbeitung der Kreditrisiko-Standardansätze derart Rechnung getragen, als dass eigene Schätzungen, Value-at-Risk und andere interne Modelle vollständig aus dem Umfang der Ermittlung der Haircuts im Rahmen der Standardansätze entfernt wurden.
Allerdings erhob die Industrie gegenüber den vorgeschlagenen, tiefgreifenden Vorschlägen vehementen Einspruch und verwies dabei auf die fehlende Risikosensitivität der pauschalisierten Parameterberechnungen. Insbesondere in Bezug auf Wertpapierfinanzierungsgeschäfte (sog. SFTs; z.B. Repo-Geschäfte) stellte sich der Vorschlag als besonders konservativ heraus.

Aufbauend auf den ersten Vorschlägen und den darauf folgenden Kritiken der Industrievertreter, entscheidet sich der Baseler Ausschuss in seinem zweiten Konsultationspapier dazu weiterhin auf interne Modelle zu verzichten.
In Abgrenzung zum ersten Konsultationspapier besinnt sich der Ausschuss im Bereich der Wertpapierfinanzierungsgeschäfte allerdings auf die derzeit gültige Berechnungsformel zurück und richtet diese im Sinne einer höheren Risikosensitivität aus. Die Grundstruktur der Formel aus Basel II bleibt dabei erhalten. Der Positionsbetrag E^* der Wertpapierpensions- und Leihgeschäfte errechnet sich, soweit nicht negativ, aus dem Netto-Exposure zuzüglich des Betrags für Wertabschläge und Wechselkursrisiken.

E^*=Max{0;net exposure+securities add on+currency mismatch add on}

Die Terme zum Netto-Exposure und zum Wechselkursrisikoaufschlag zeigen keine Veränderungen gegenüber den bisherigen Regelungen.

Deutliche Anpassungen werden in Bezug auf den zweiten Term vorgenommen. Der Wertabschlag ergibt sich aus einer gewichteten Summe des aufsummierten und um die jeweiligen Haircuts bereinigten Netto-Exposures je Schuldtitel und des Brutto-Exposures in Bezug auf die Stichprobe (1/√N). Der zweite Summand wird dabei stärker gewichtet, um potentielle, risikomindernden Diversifikationseffekte einzubeziehen.

Des Weiteren wird die Nutzung externer Ratings wieder zugelassen. Daraus folgt, dass in Ländern in denen externe Ratings gesetzlich anwendbar sind, diese auch für Zwecke der Kreditrisikominderung genutzt werden können. Sind sie hingegen gesetzlich nicht zulässig, verweist der Ausschuss auf eine alternative Lösung. Hierzu werden Abschläge zur Verfügung gestellt, die sich nach dem Risikogewicht des Emittenten bzw. nach dem Investment-Grade der jeweiligen Position richten.

Die prozentualen Abschläge ergeben sich zum einen aus der Restlaufzeit und zum anderen aus dem Rating bzw. Risikogewicht des Emittenten. Gestattet die jeweilige Jurisdiktion die Verwendung externer Ratings, können die Haircuts dem Rating entsprechend zugeordnet werden. Wird die Nutzung externer Ratings jedoch verweigert, richtet sich die Ermittlung der Haircuts an den Risikogewichten der Gegenparteien aus. Zur Veranschaulichung der Systematik zur Ermittlung von Abschlägen dient Tabelle 3. Hierbei wird exemplarisch dargestellt, dass sich unter unterschiedlichen Jurisdiktionen abweichende Haircuts ergeben können. Insbesondere hinsichtlich sehr gut eingestufter Schuldanleihen, die nicht der EU entstammen, würden bei fehlender Berücksichtigung von externen Ratings zukünftig deutlich höhere Haircuts anfallen. Unterstellt wurde dabei eine Beibehaltung der privilegierten Behandlung von EU-Staatsanleihen nach Art. 114 CRR.

Darstellung der Haircuts für Wertpapier und Collateral Positionen

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Prognostizierter Anstieg der Eigenmittelanforderungen durch Basel IV (Quelle: Strategy& – Forth Time Around? European Banks confront „Basel IV“)

Wenngleich die Zielrichtung des Baseler Komitees eine im Durchschnitt unveränderte Eigenkapitalunterlegung der Institute ist, können im Einzelfall erhebliche Mehrbelastungen entstehen. Gemäß einer aktuellen Studie von Strategy& aus 2016 auf Basis von Vorjahreszahlen werden die prognostizierten Anstiege der risikogewichteten Aktiva aus dem neuen Standardansatz zwischen 15% und 35% im Durchschnitt liegen. Damit liegt der zu erwartende Anstieg der RWA für Institute, die den Kreditrisikostandardansatz nutzen, deutlich unter dem für Banken, die den auf internen Ratings basierten Ansatz nutzen (+55% bis + 85%). Doch auch ein Anstieg der risikogewichteten Aktiva von bis zu 35% dürfte viele Institute vor Herausforderungen stellen. Insbesondere vor dem Hintergrund der weiterhin durch das Zinsniveau stagnierenden Rentabilität erscheint der Aufbau der erforderlichen Eigenmittel aus einbehaltenen Gewinnen schwierig. Insofern sollten Institute frühzeitig die Auswirkungen des neuen Kreditrisikostandardansatzes beleuchten, um rechtzeitig strategische Handlungsoptionen zu entwickeln.

Ungeachtet des Geschäftsmodells und unabhängig von der Höhe der Eigenmittelunterlegung werden nahezu alle Institute von den prozessualen Anforderungen der Due Diligence Vorgaben für Risikopositionen gegenüber Instituten und Unternehmen betroffen sein. Hier müssen Institute rechtzeitig Verfahren entwickeln, durch die aus den internen Bonitätsbeurteilungen eine belastbare Ableitung von regulatorischen Risikogewichten ermöglicht wird. Auch eine Überprüfung dauerhafter oder revolvierender Kreditzusagen ohne Abruf sollte unabhängig vom spezifischen Geschäftsmodell erfolgen, um möglichen negativen Auswirkungen der neuen Kreditkonversionsfaktoren vorzubeugen. Hierbei ist der Fokus insbesondere auf nicht benutzte Kreditkarten und Kontokorrentkredite zu legen, da diese Kreditlinien im Zuge der neuen Anforderungen zu einer direkten Erhöhung der Kapitalanforderungen führen. Darüber hinaus gibt es jedoch auch Auswirkungen, die stärker vom Geschäftsmodell des jeweiligen Institutes abhängen.

Institute, die sich auf die Begleitung von Finanzierungen im Rahmen erneuerbarer Energien spezialisiert haben, sollten ihr Portfolio insbesondere mit Blick auf die neu geschaffene Kategorie der Projektfinanzierungen durchleuchten. Von entscheidender Bedeutung wird hier, neben dem erhöhten Risikogewicht für Projekte in der Planungs- und Bauphase, die Abgrenzung zur späteren Betriebsphase sein. Für direkte Investitionen sollten die Angaben über die Cash-Flow Deckung und die einsetzende Schuldentilgung in der Regel bereits verfügbar sein. Jedoch werden entsprechende Finanzierungen häufig auch durch spezielle Vehikel oder Fonds abgebildet, wodurch die Beurteilung der notwendigen Kriterien erschwert werden kann.

Generell wird die Abgrenzung von Projektfinanzierungen zu gewöhnlichen Unternehmenskrediten zukünftig neu vorzunehmen sein. Hier sollten Institute frühzeitig Leitlinien entwickeln, die eine verlässliche Abgrenzung in der Zukunft ermöglichen.

Besonders betroffen sein dürften auch Institute, die sich auf Objektfinanzierungen spezialisiert haben. Denkbar sind hier beispielsweise Schiffs- oder Flugzeugfinanzierungen, die nach den derzeitigen Vorschlägen ebenfalls erhöhten Risikogewichten unterliegen.

Vergleich der alten und neuen RWA-Berechnungsverfahren für Risikopositionen die durch Wohnimmobilien besichert sind

Universal- und Hypothekenbanken sollten darüber hinaus dezidiert Vergleichsrechnungen für die Veränderungen aus den neuen Vorgaben für Immobilienkredite prüfen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Möglichkeit des bisher verbreiteten Realkreditsplittings zwar im aktuellen Konsultationspapier nicht vorgesehen ist, eine Umsetzung auf europäischer Ebene dennoch denkbar erscheint. Trotzdem sollten mögliche Auswirkungen auf die Eigenkapitalunterlegung geprüft, und somit Anpassungsbedarf in den Pricingmodellen oder gegebenenfalls Kreditvergaberichtlinien abgeleitet werden. Insbesondere sollte die Beleihungsquote in den Fokus der Analysen gesetzt werden. Abhängig von der zugrunde liegenden Art der Immobilie sind wesentliche Veränderungen der Eigenmittelunterlegung zu erwarten. Hält ein Institut überwiegend Kreditpositionen mit geringen Beleihungsquoten vor, so ist speziell im Bereich der Besicherung durch Wohnimmobilien ein positiver Effekt zu erwarten. Allerdings steigen die Anforderungen mit steigender Beleihungsquote sprunghaft an und können sich stark belastend auf die RWA-Situation auswirken. Stärker betroffen sind die durch Gewerbeimmobilien besicherten Risikopositionen. Diese führen künftig immer zu höheren Eigenkapitalanforderungen, da (i) das Risikogewicht für LTV-Quoten von bis zu 60% um 10 Prozentpunkte steigt, (ii) im Gegensatz zu den Wohnimmobilienkrediten niedrigere LTV-Quoten keine Entlastung durch weitere Abstufungen bieten und (iii) durch den Wegfall des Realkreditsplittings Darlehen mit einem LTV von mehr als 60% vollständig mit dem Risikogewicht des Schuldners zu gewichten sind.

Vergleich der alten und neuen RWA-Berechnungsverfahren für Risikopositionen die durch Gewerbeimmobilien besichert sind

PwC unterstützt Sie bei der Analyse der Auswirkungen des überarbeiteten Kreditrisiko Standardansatzes auf Ihr Haus mit einer Vielzahl von Dienstleistungen:

Durchführung von Testrechnungen

  • Mit Hilfe unseres MS Access-basierten CreditRiskCalculator-Tools berechnen wir die Auswirkungen des überarbeiteten KSA auf Ihr Portfolio
  • Die Inputdaten für das CRC-Tool basieren weitgehend auf Datenfeldern aus den Standard-Meldewesen-Softwaresystemen. Dies erlaubt eine einfache und kosteneffiziente Durchführung der Proberechnungen.
  • Analyse der Datenverfügbarkeit sowie der Datenqualität der Inputdaten
  • Detailanalyse der Ergebnisse der Proberechnungen zur Bestimmung der wesentlichen Auswirkungen auf Ihr Haus
  • Das CRC-Tool kann zur Befüllung der QIS-Bögen des Baseler Ausschusses genutzt werden

Forderungsklassenspezifische Analysen

  • Institute: Mapping von Kontrahenten zu den Risikogewichten im Standardized Credit Risk Assessment approach
  • Unternehmen: Abgrenzung der neuen Kategorie der Unternehmen mit „Investment Grade“
  • Institute und Unternehmen: Umsetzung der neuen due dilligence Anforderungen und Einbindung in die Kreditprozesse
  • Unternehmen und Mengengeschäft: Abgrenzung der Forderungen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
  • Spezialfinanzierungen: Abgrenzung der neuen Forderungsklasse Spezialfinanzierungen im KSA, insbesondere zur Abgrenzung von Unternehmensforderungen und Immobilienfinanzierungen
  • Immobilienfinanzierungen: Ermittlung von Loan to Value Werten unter Berücksichtigung von engen oder weiten Zweckerklärungen
  • Kreditrisikominderungstechniken: Umsetzung der neuen Repo-Formel sowie Analyse der Auswirkungen auf EAD und RWA
  • Außerbilanzielle Positionen: Analyse der Auswirkungen der neuen Kreditkonversionsfaktoren (CCF) sowie der Positionen, die als außerbilanzielles Geschäft zu berücksichtigen sind
  • Analyse der Hauptwährung von Kunden im Mengengeschäft zur Bestimmung des Zuschlags für FX-Risiken
  • Analyse der Auswirkungen des Wegfalls bestehender EU Wahlrechte, zum Beispiel zur Privilegierung des Sparkassensektors oder von gedeckten Pfandbriefen

Umsetzungsplanung

  • Wir unterstützen Sie bei der Planung und Durchführung von Umsetzungsaktivitäten für den überarbeiteten KSA in Ihrem Haus
  • Auf Basis generischer Projektpläne und unter Berücksichtigung institutsspezifischer Besonderheiten erstellen wir für Sie eine konkrete inhaltliche und zeitliche Planung von Umsetzungsprojekten – from Strategy through Execution

Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit

  • Mithilfe von Portfolio-Analysen ermitteln wir für Sie die Auswirkungen des überarbeiteten KSA auf einzelne Produktarten, Geschäftsbereiche oder Lokationen
  • Wir unterstützen Sie bei der Durchführung von Workshops mit den Markt-/Marktfolgebereichen, um diese für die Auswirkungen des überarbeiteten KSA auf die Geschäftstätigkeit zu sensibilisieren und gemeinsam nach Gegenmaßnahmen zu suchen
  • Durch die Anpassung von Pricing Modellen schaffen wir bereits heute Transparenz über die künftigen Kapitalkosten, so dass sie insbesondere langlaufende Geschäfte bereits heute adäquat bepreisen können

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