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Operationelles Risiko

Operationelles Risiko

Ein Ansatz für alle Institute

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Anfang März 2016 veröffentlichte der Baseler Ausschuss ein zweites Konsultationspapier (BCBS 355) zum Umgang mit den operationellen Risiken.

Während das erste Konsultationspapier auf die Überarbeitung und Zusammenführung der beiden bisherigen Standardansätze (Basisindikatoransatz und Standardansatz) abzielte, ging es nunmehr auch um die Abschaffung des Advanced Measurement Approaches (AMA) zur Messung der operationellen Risiken. Die inhärente Komplexität und die fehlende Vergleichbarkeit aufgrund des breiten Spektrums an internen Modellen haben dazu geführt, dass der AMA als Berechnungsmethodik an Vertrauen eingebüßt hat.

Die Abschaffung des AMA wurde seitens des Baseler Ausschusses bereits vorab diskutiert und angekündigt, und dann mit dem zweiten Konsultationspapier vom März 2016 offiziell formuliert.

Dabei zielt das neue Baseler Papier unter anderem darauf ab, eine Alternative für jene Banken zu entwickeln, die bislang auf eigene Risikomodelle vertrauen. Hierzu hat der Baseler Ausschuss das Berechnungsmodell des ersten Konsultationspapiers nachgebessert: Neben dem Business Indicator, der bereits im ersten Konsultationspapier als Proxy-Indikator eingeführt wurde, sind zukünftig je nach Größe des Instituts erstmals interne Verlustdaten als ein maßgeblicher Indikator für die Berechnung des operationellen Risikos zu berücksichtigen.
Das Ziel ist es weiterhin – auch bei einem einheitlichen Ansatz für Institute aller Größen und Geschäftsmodelle – sicherzustellen, dass sich risikoreduzierende Maßnahmen der Banken positiv auf die Höhe der regulatorischen Kapitalanforderungen auswirken.

Das Konsultationspapier formuliert in Zusammenhang mit den internen Verlustdaten umfangreiche Anforderungen insbesondere an Qualität, Granularität, Zeitraum und Verwendung an das Risikomanagement.

Insgesamt ergeben sich für die Banken durch diese Vorgaben große Herausforderungen. Die Institute sollten sich möglichst bald mit der Frage beschäftigen, ob alle relevanten Daten in der notwendigen Granularität vorliegen. Dies betrifft insbesondere mittelgroße Banken, die künftig eine Verlustdatensammlung umsetzen müssen. Aber auch auf große Banken, die bisher ihre eigenen internen Berechnungsmodelle nutzen konnten, kommen erhebliche Änderungen zu. Teilweise müssen sie mit drastisch erhöhten Kapitalanforderungen rechnen.

Die Entwicklung der aufsichtsrechtliche Vorschriften zum operationellen Risiko

Fachliche Themen

Die Funktionsweise des SMA im Überblick

Die Funktionsweise basiert auf dem im ersten Konsultationspapier dargestellten Business Indicator (BI) als neuem Proxy-Indikator und kombiniert diesen je nach Größe des Instituts mit bankspezifischen internen Verlustdaten.

Das Grundprinzip des BI ist vergleichbar mit der Methodik des Basisindikatoransatzes, erkennbar ist jedoch eine höher Risikosensitivität der neuen Parameter im Vergleich zum Bruttoertrag (maßgeblicher Indikator), welcher bislang zur Berechnung der Eigenmittelanforderungen des operationellen Risikos im Basisindikatoransatz (BIA) und Standardansatz (STA) angewandt wurde.

Der Business Indicator setzt sich aus den folgenden drei Komponenten zusammen:

  • Zins-, Leasing- und Dividendenkomponente
  • Servicekomponente
  • Finanzielle Komponente

Im Vergleich zum ersten Konsultationspapier werden in der ersten Komponente (Zins, Leasing, Dividenden) zusätzlich Dividendenerträge berücksichtigt. Damit greift der Baseler Ausschuss die Kritik auf, dass die inkonsistente Behandlung von Dividendenerträgen zu Arbitragemöglichkeiten innerhalb des Business Indicators führen könnte.
Die Servicekomponente hat sich zum ersten Konsultationspapier in ihrer Zusammensetzung nicht wesentlich verändert. Der Baseler Ausschuss adressiert im zweiten Konsultationspapier allerdings die Kritik an den vergleichsweise hohen Eigenmittelanforderungen in Relation zu dem operationellen Risiko bei Instituten mit hoher Nettozinsmarge mit Hilfe eines zusätzlichen Parameters, der unter bestimmten Bedingungen pauschal mit dem Faktor 0,5 versehen wird und die Kapitalanforderung somit reduziert.
Die Zusammensetzung und Berechnungslogik der dritten Komponente (Finanzkomponente) hat sich im Vergleich zum ersten Konsultationspapier nicht verändert. Sowohl das Nettoergebnis des Handelsbuches als auch des Bankbuchs werden als durchschnittlicher Absolutwert der letzten drei Jahre berücksichtigt.

Die Höhe des Business Indicators definiert, welches von fünf Buckets für die Ermittlung der sogenannten BI-Komponente verwendet wird. Im nächsten Schritt erfolgt die Ermittlung der BI-Komponente auf Basis der jeweiligen Berechnungsformel.

Kleine Institute mit einem Business Indicator i.H.v. maximal 1,0 Mrd. Euro ermitteln Ihre Kapitalanforderungen ohne Berücksichtigung von internen historischen Verlustdaten, der sogenannten Verlustkomponente. Bei Instituten mit einem Business Indicator größer 1 Mrd. Euro (Buckets 2 bis 5) resultiert die Eigenmittelanforderung aus der Multiplikation der jeweiligen BI-Komponente mit dem Multiplikator interner Verluste (Berechnungslogik siehe Abbildung).

Die Logarithmusfunktion ist so konzipiert, dass der Multiplikator interner Verluste bei steigenden Verlusten ebenfalls ansteigt.

Das Konsultationspapier formuliert in Zusammenhang mit den internen Verlustdaten umfangreiche Anforderungen an das Risikomanagement und definiert generelle Mindestanforderungen an die Qualität und die Granularität, sowie spezifische Anforderungen an die Ausprägung und Zusammensetzung der Verlustdaten:

Im Jahresverlauf 2016 wurden die ausstehenden Reformen – insbesondere auf Basis der durchgeführten Auswirkungsstudien – stets weiter diskutiert. Im Dezember äußerste sich der Baseler Ausschuss dahingehend, dass die finale Kalibrierung des neuen Standardansatzes nahezu abgeschlossen sei. In diesem finalen Standard werden, im Vergleich zum zweiten Konsultationspapier, voraussichtlich noch einzelne Anpassungen vorgenommen. Die Rede ist beispielsweise von einer Unterteilung des Business Indicators in drei statt in fünf Buckets. Inwieweit sich weitere Überarbeitungen in der Kalibrierung ergeben, wird sich wohl erst nach finaler Veröffentlichung einschätzen lassen. Nur eins scheint derzeit sicher: Die Abschaffung des AMA in Zusammenhang mit Basel IV und die Einführung eines neuen Standardansatzes, der für Institute aller Größen und Geschäftsmodelle anzuwenden sein wird.

Wir unterstützen Sie bei

  • der Durchführung von Schulungen und Workshops zu den Anforderungen und möglichen Auswirkungen des neuen Standardansatzes (bspw. Berücksichtigung interner Verlustdaten bei derzeitiger Nutzung eines der Standardansätze)
  • der Durchführung von Proberechnungen und Analysen der Ergebnisse
  • der Durchführung einer entsprechenden Umsetzungsplanung

Erwartete Auswirkungen im Überblick

Die Einführung des SMA wird – je nach Geschäftsmodell und derzeit angewendeten Ansätzen – erhebliche Auswirkungen auf die Institute haben.

Auswirkung auf die RWA

Die größten Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen für das operationelle Risiko werden sich voraussichtlich für derzeitige AMA-Anwender ergeben. Insbesondere aufgrund der vorgegebenen einheitlichen Ermittlung des BI ist eine deutliche Erhöhung der Kapitalanforderungen zu erwarten.

Bei Instituten, die derzeit einen der beiden Standardansätze nutzen und zukünftig verpflichtet sind, interne historische Verlustdaten zu berücksichtigen (Buckets 2 bis 5), wird sich durch den neuen Ansatz erstmalig ein effektives OpRisk-Management positiv auf die Kapitalanforderungen auswirken. Inwieweit dieser Effekt kompensierend zu den tendenziell steigenden Anforderungen aufgrund der neuen Systematik wirkt, bleibt abzuwarten und ist institutsspezifisch zu beurteilen.

Erfahrungen aus bisherigen Proberechnungen und Empfehlungen

Bisherige Proberechnungen haben gezeigt, dass – wie bereits vermutet – insbesondere derzeitige AMA-Anwender mit steigenden Kapitalanforderungen rechnen müssen.

Sofern aktuell einer der beiden Standardansätze genutzt wird, ist die Auswirkung auf die Kapitalanforderungen unter dem neuen Ansatz abhängig von der zukünftigen Bucket-Zuordnung:

  • Bucket 1: In der Regel keine signifikanten Auswirkungen auf die Eigenmittelanforderungen.
  • Bucket 2 bis 5: Eine pauschale Aussage ist aufgrund der Berücksichtigung interner Verlustdaten nicht möglich. In bisherigen Proberechnungen zeigen sich sowohl steigende als auch rückläufige Kapitalanforderungen, abhängig von den historischen internen Verlustdaten der jeweiligen Institute.

Doch wo liegt die Grenze zwischen Bucket 1 und 2?

Gemäß erster Analysen liegt die Grenze deutscher Banken mit Fokus auf dem Kreditgeschäft bei einer Bilanzsumme zwischen EUR 20-40 Mrd.

Ein besonderer Fokus sollte u.a. auf die folgenden Aspekte gelegt werden:

Operative Anforderungen: Insbesondere aus den neu eingeführten Anforderungen an die Berücksichtigung von internen, historischen Verlustdaten lassen sich bereits deutliche Herausforderungen für die zukünftig betroffenen Institute ableiten. Die Mindestanforderungen an die Ermittlung, Analyse und Pflege von Verlustdaten über einen Zeitraum von 10 Jahren wird speziell für derzeitige Anwender der Standardansätze umfangreiche Datenerhebungen und Analysen erfordern (sofern zukünftig die Berücksichtigung aufgrund der Institutsgröße erforderlich ist).

Prozesse und Kontrollen im Fokus der Bankenaufsicht: Neben der internen Umsetzung der zuvor erwähnten operativen Anforderungen wird erwartet, dass die Aufsichtsbehörden mit Ablösung des AMA-Ansatzes den Fokus zunehmend auf Prozesse zur Identifizierung, Erhebung und Verarbeitung der internen Verlustdaten legen.

Ressourcen: Wir erwarten, dass die Umsetzung der überarbeiteten Anforderungen für das operationelle Risiko zu einer (vorübergehenden) Nachfrage nach zusätzlichen qualifizierten Ressourcen innerhalb der Institute führen wird.

Unsere Leistungen im Überblick

PwC unterstützt Sie bei der Analyse der Auswirkungen des überarbeiteten Standardansatzes zur Ermittlung der Eigenmittelanforderungen für das operationelle Risiko auf Ihr Haus mit einer Vielzahl von Dienstleistungen.

Durchführung von Testrechnungen

PwC hat ein Berechnungstool entwickelt, welches die Kapitalanforderung gemäß des überarbeiteten Standardansatzes (SMA) auf Basis der regulatorischen Anforderungen durch BCBS 355 ermittelt. Das Tool basiert auf Microsoft Excel und ermöglicht eine schnelle und pragmatische Anpassung an mandantenspezifische Bedürfnisse.

Die wesentlichen Fakten im Überblick:

  • Analyse der Auswirkungen von prognostizierten Geschäftsentwicklungen oder neuen Produkten auf die Eigenmittelanforderungen für das OpRisk
  • Die Inputdaten basieren weitgehend auf Daten sowohl aus der Gewinn- und Verlustrechnung als auch der Bilanz
  • Gegenüberstellung der Eigenmittelanforderungen der derzeitigen Standardansätze und des neuen SMA

Umsetzungsplanung

  • Wir unterstützen Sie bei der Planung und Durchführung von Umsetzungsaktivitäten für den überarbeiteten Standardansatz für das operationelle Risiko in Ihrem Haus
  • Auf Basis generischer Projektpläne und unter Berücksichtigung institutsspezifischer Besonderheiten erstellen wir für Sie eine konkrete inhaltliche und zeitliche Planung von Umsetzungsprojekten – from Strategy through Execution

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