nach
oben

Operationelles Risiko

Operationelles Risiko

Ein Ansatz für alle Institute

operationellesrisiko

Am 07. Dezember 2017 veröffentlichte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) seine finale Überarbeitung des Standardansatzes für operationelle Risiken (OpRisk). Der neue Standardansatz ist Bestandteil des vom BCBS finalisierten Basel-III-Reformpaketes, welches in der Branche auch unter dem Begriff „Basel IV“ bekannt ist. Der Ansatz wird alle bisherigen Methoden einschließlich der fortgeschrittenen Messansätze (AMA) zur Bestimmung der Eigenmittelanforderung für OpRisk in der Säule 1 ersetzen.

Getrieben durch identifizierte Schwächen der bestehenden Ansätze gem. CRR, wurde im Oktober 2014 eine Konsultation zu ihrer Überarbeitung begonnen. Zunächst wurde durch den BCBS die Zusammenführung der beiden bisherigen Standardansätze (Basisindikatoransatz und Standardansatz) vorgeschlagen. Anfang März 2016 veröffentlichte der Baseler Ausschuss ein zweites Konsultationspapier in dem nunmehr auch die Abschaffung des AMA zur Messung der operationellen Risiken thematisiert wurde. Die inhärente Komplexität und die fehlende Vergleichbarkeit aufgrund des breiten Spektrums an internen Modellen haben dazu geführt, dass der AMA als Berechnungsmethodik an Vertrauen eingebüßt hat.

Das zweite Konsultationspapier zielte darüber hinaus darauf ab, eine Alternative für jene Banken zu entwickeln, die bislang auf eigene Risikomodelle vertrauen. Hierzu hat der Baseler Ausschuss den überarbeiteten Standardansatz des ersten Konsultationspapiers nachgebessert: Neben dem Geschäftsindikator, der bereits im ersten Konsultationspapier als Proxy-Indikator eingeführt wurde, wurden je nach Größe des Instituts erstmals interne Verlustdaten als maßgeblicher Indikator für die Berechnung des operationellen Risikos berücksichtigt.

Die Berechnungsmethodik des finalisierten Standardansatzes basiert weiterhin auf dem im ersten und zweiten Konsultationspapier eingeführten Grundprinzip des Geschäftsindikators, der weiterhin einem größenabhängigen „Bucket“ zugeordnet wird. Im Vergleich zum zweiten Konsultationspapier wurde die Anzahl der Buckets von fünf auf drei reduziert. Darüber hinaus wurden auf Basis der Rückmeldungen aus der Konsultation Anpassungen an den Berechnungsformeln (insb. Wegfall der Erleichterung für provisionslastige Geschäftsmodelle, Änderung des Faktors für verzinsliche Aktiva und Änderung der Durchschnittsbildung von Netto-Positionen) vorgenommen. Weiter wurden die qualitativen Anforderungen erweitert sowie entsprechenden Offenlegungspflichten für OpRisk ergänzt.

Das Ziel des finalisierten Standardansatzes ist es – auch bei einem einheitlichen Ansatz für Institute aller Größen und Geschäftsmodelle – sicherzustellen, dass sich risikoreduzierende Maßnahmen der Banken positiv auf die Höhe der regulatorischen Kapitalanforderungen auswirken. Insgesamt ergeben sich für die Banken durch diese Vorgaben große Herausforderungen. Die Institute sollten sich möglichst bald mit der Frage beschäftigen, ob alle relevanten Daten in der notwendigen Granularität vorliegen. Dies betrifft insbesondere mittelgroße Banken, die künftig möglicherweise eine Verlustdatensammlung umsetzen müssen. Aber auch auf große Banken, die bisher ihre eigenen internen Berechnungsmodelle nutzen konnten, kommen erhebliche Änderungen zu. Teilweise müssen sie mit drastisch erhöhten Kapitalanforderungen rechnen.

Die Entwicklung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften zum operationellen Risiko

Fachliche Themen

Die Funktionsweise des finalisierten Standardansatzes für OpRisk

Die Funktionsweise des finalisierten Standardansatzes für OpRisk (ehemals: „Standardised Measurement Approach“, SMA) basiert auf dem bereits im ersten Konsultationspapier eingeführten Geschäftsindikator („Business Indicator“, BI). Dieser dient als GuV-basierter Proxy-Indikator und wird je nach Größe des Instituts bzw. des BIs mit bankspezifischen internen Verlustdaten kombiniert.

Das Grundprinzip des BIs ist vergleichbar mit der Methodik des Basisindikatoransatzes. Erkennbar ist jedoch eine höhere Risikosensitivität der neuen Parameter im Vergleich zum Bruttoertrag (maßgeblicher Indikator), welcher bislang gemäß CRR zur Berechnung der Eigenmittelanforderungen des operationellen Risikos im Basisindikatoransatz (BIA) und Standardansatz (STA) angewandt wurde.

Konzeptionell geht der finalisierte Standardansatz davon aus, dass das operationelle Risiko mit dem Einkommen des Institutes ansteigt. Die Eigenmittelanforderung für OpRisk (ORC) ergibt sich als Produkt aus der Geschäftsindikatorkomponente (BIC) und dem internen Verlustmultiplikator (ILM):

ORC = BIC x ILM

Der Geschäftsindikator als wesentliche Grundlage des BIC setzt sich aus den folgenden drei Komponenten zusammen:

  • Zins-, Leasing- und Dividendenkomponente
  • Servicekomponente
  • Finanzielle Komponente

Alle drei Komponenten werden als Dreijahresdurchschnitte ermittelt, was zu dämpfenden Effekten im Zeitverlauf führt. Im Vergleich zur Konsultationsphase wurden teilweise Anpassungen an den Berechnungsformeln der einzelnen Komponenten des BIs vorgenommen. Beispielsweise wurde der Cap für die Zins-, Leasing- und Dividendenkomponente auf 2,25% des Dreijahresdurchschnittes der verzinslichen Aktiva gesenkt (anstatt 3,5% gemäß dem zweiten Konsultationspapier). Darüber hinaus wurde im finalen Standardansatz die konsultierte Sonderregelung für Banken mit einem provisionslastigen Geschäftsmodelles verworfen.

Die Geschäftsindikatorkomponenten ergibt sich aus der Multiplikation des BIs mit einem aufsichtsrechtlich vorgegebenen Koeffizienten. In diesem Zusammenhang reduzierte der BCBS in der Finalisierung des Standards die Anzahl an möglichen Buckets von fünf auf drei.

Zur Erhöhung der Risikosensitivität des SAs sieht der BCBS für Banken, die in den Bucket 2 oder 3 fallen, einen internen Verlustmultiplikator (ILM) vor. Dieser ermittelt sich anhand einer Logarithmusfunktion in Abhängigkeit einer Verlustkomponente (LC) und dem BIC. Zur Berechnung des LC-Wertes werden die durchschnittlichen jährlichen OpRisk-Verluste in den vergangenen 10 Jahren mit einem Faktor von 15 multipliziert.

Für Banken, die in den Bucket 1 fallen, besteht keine Anforderung zur Anwendung des ILM (ILM = 1). Dennoch formuliert der BCBS ein Wahlrecht für nationale Aufsichtsbehörden, den Instituten in Bucket 1 die Berücksichtigung historischer Verlustdaten zu erlauben.

Wir unterstützen Sie bei

  • der Durchführung von Schulungen und Workshops zu den Anforderungen und möglichen Auswirkungen des neuen Standardansatzes (bspw. Berücksichtigung interner Verlustdaten bei derzeitiger Nutzung einer der Standardansätze)
  • der Durchführung von Proberechnungen und Analysen der Ergebnisse
  • der Durchführung einer entsprechenden Umsetzungsplanung
  • der Implementierung und der Analyse der gestiegenen qualitativen Anforderungen

Erwartete Auswirkungen im Überblick

Die Einführung des finalisierten SA wird – je nach Geschäftsmodell und derzeit angewendeten Ansätzen – erhebliche Auswirkungen auf die Institute haben.

Auswirkung auf die RWA

Die größten Auswirkungen auf die Eigenmittelanforderung für das operationelle Risiko werden sich voraussichtlich für derzeitige AMA-Anwender sowie Banken mit provisionslastigem Geschäftsmodellen ergeben. Insbesondere aufgrund der vorgegebenen einheitlichen Ermittlung des BIs ist eine Erhöhung der Eigenmittelanforderung zu erwarten.

Bei Instituten, die derzeit einen der beiden Standardansätze nutzen und zukünftig verpflichtet sind, interne historische Verlustdaten zu berücksichtigen (Buckets 2 und 3), wird sich durch den neuen Ansatz erstmalig ein effektives OpRisk-Management positiv auf die Kapitalanforderungen auswirken. Inwieweit dieser Effekt kompensierend zu den tendenziell steigenden Anforderungen aufgrund der neuen Systematik wirkt, bleibt abzuwarten und ist institutsspezifisch zu beurteilen.

Erfahrungen aus bisherigen Proberechnungen und Empfehlungen

Bisherige Proberechnungen haben gezeigt, dass – wie bereits vermutet – insbesondere derzeitige AMA-Anwender mit steigenden Kapitalanforderungen rechnen müssen.

Sofern aktuell einer der beiden Standardansätze genutzt wird, ist die Auswirkung auf die Kapitalanforderungen unter dem neuen Ansatz abhängig von der zukünftigen Bucket-Zuordnung:

  • Bucket 1: In der Regel keine signifikanten Auswirkungen auf die Eigenmittelanforderungen (Ausnahme: Besondere Geschäftsmodelle wie z.B. High-Fee-Banks).
  • Bucket 2 bis 3: Eine pauschale Aussage ist aufgrund der Berücksichtigung interner Verlustdaten nicht möglich. In bisherigen Proberechnungen zeigen sich sowohl steigende als auch rückläufige Kapitalanforderungen, abhängig von den historischen internen Verlustdaten der jeweiligen Institute.

Doch wo liegt die Grenze zwischen Bucket 1 und 2?

Gemäß erster Analysen liegt die Grenze deutscher Banken mit Fokus auf dem Kreditgeschäft bei einer Bilanzsumme zwischen EUR 20-40 Mrd.

Ein besonderer Fokus sollte u.a. auf die folgenden Aspekte gelegt werden:

Operative Anforderungen: Insbesondere aus den neu eingeführten Anforderungen an die Berücksichtigung von internen, historischen Verlustdaten lassen sich bereits deutliche Herausforderungen für die zukünftig betroffenen Institute ableiten. Die Mindestanforderungen an die Ermittlung, Analyse und Pflege von Verlustdaten über einen Zeitraum von 10 Jahren wird speziell für derzeitige Anwender der Standardansätze umfangreiche Datenerhebungen und Analysen erfordern (sofern zukünftig die Berücksichtigung aufgrund der Institutsgröße erforderlich ist; ggf. Einführung im Rahmen von Übergangsvorschriften).

Offenlegung: Während der BCBS beabsichtigt eine separate Konsultation zur Offenlegung von operationellen Risiken durchzuführen, zeichnet sich bereits ab, dass Banken mit einem BI > 1 Mrd. EUR zukünftig granulare Offenlegungspflichten in Bezug auf ihre internen Verlustdaten und die BI-Komponenten zu berücksichtigen haben. Eine frühzeitige Analyse der möglichen Auswirkungen ist daher zu empfehlen.

Prozesse und Kontrollen im Fokus der Bankenaufsicht: Neben der internen Umsetzung der zuvor erwähnten operativen Anforderungen wird erwartet, dass die Aufsichtsbehörden mit Ablösung des AMA-Ansatzes den Fokus zunehmend auf Prozesse zur Identifizierung, Erhebung und Verarbeitung der internen Verlustdaten legen.

Ressourcen: Wir erwarten, dass die Umsetzung der überarbeiteten Anforderungen für das operationelle Risiko zu einer (vorübergehenden) Nachfrage nach zusätzlichen qualifizierten Ressourcen innerhalb der Institute führen wird.

Unsere Leistungen im Überblick

PwC hat ein Berechnungstool entwickelt, welches die Kapitalanforderung gemäß dem finalisierten Standardansatz (SA) auf Basis der regulatorischen Anforderungen durch BCBS 424 ermittelt.

Das Tool basiert auf Microsoft Excel und ermöglicht eine schnelle und pragmatische Anpassung an mandantenspezifische Bedürfnisse.

Die wesentlichen Fakten im Überblick:

  • Analyse der Auswirkungen von prognostizierten Geschäftsentwicklungen oder neuen Produkten auf die Eigenmittelanforderungen für das OpRisk
  • Die Inputdaten basieren weitgehend auf Daten sowohl aus der Gewinn- und Verlustrechnung als auch der Bilanz
  • Gegenüberstellung der Eigenmittelanforderungen der derzeitigen Standardansätze und des neuen SA

Umsetzungsplanung

  • Wir unterstützen Sie bei der Planung und Durchführung von Umsetzungsaktivitäten für den überarbeiteten Standardansatz für das operationelle Risiko in Ihrem Haus
  • Auf Basis generischer Projektpläne und unter Berücksichtigung institutsspezifischer Besonderheiten erstellen wir für Sie eine konkrete inhaltliche und zeitliche Planung von Umsetzungsprojekten – from Strategy through Execution

Erfahren Sie mehr

YouTube

  • Latest news from Basel IV: Challenges and Implications.

Tool

  • Basel IV
    OpRisk SMA Calculator Tool (EN)

YouTube

  • Investmentfunds

Wir sind für Sie da!

Martin Neisen

Global Basel IV Leader

Martin Neisen

Tel: +49 69 9585-3328

LinkedInXING
Stefan Röth

Standardised Approaches

Stefan Röth

Tel: +49 69 9585-3841

LinkedInXING